Diabetes mellitus oder Zuckerkrankheit Teil 3

Self-Management

Selbstkontrollen dienen nicht nur der Therapiekontrolle, sondern ermöglichen dem Betroffenen auch eigenständige Korrekturen der Behandlung. Das konsequente Führen eines Diabetiker-Tagebuches ist, nicht nur in den Anfangsmonaten, sinnvoll. Versuchen Sie auch, immer einen Überblick über die Untersuchungen, die durch Fachpersonen durchgeführt werden, zu gewinnen. Die Verantwortung für Ihre Gesundheit liegt letztlich bei Ihnen – der Nutzen in Form einer erhöhten Lebensqualität wird auch Ihnen zugute kommen!

Äusserst wichtig ist eine sorgfältige Körperpflege. Der Betroffene sollte seine Füsse täglich mit körperwarmem (nicht heissem!) Wasser und rückfettender Seife waschen, gut abtrocknen und auf Druckstellen, Hornhaut, Blasen, Rötungen und Verletzungen hin beobachten. Auch kleinste Verletzungen an den Füssen müssen desinfiziert werden. Jegliche Art von „Badezimmer Chirurgie“ sollte unterlassen werden, kontaktieren Sie selbst bei belanglos erscheinenden Verletzungen der Haut ihre Ärztin oder Ihren Arzt!

Die Zehennägel sollten nicht geschnitten, sondern mit der Feile bearbeitet werden.

Die Schuhe sollten ausreichend weit und bequem sein. Die Beweglichkeit der Fussgelenke ist regelmässig zu überprüfen und zu trainieren.

Grössere Pflegemassnahmen sollten, vor allem bei weniger selbständigen Diabetikern, von einer erfahrenen Fusspflegerin vorgenommen werden.

Jährliche Augenkontrollen durch eine Fachperson sind Pflicht.

Jeder insulinspritzende Diabetiker sollte zu Blutzucker-Selbstkontrollen angeleitet werden, ohne die eine intensivierte Insulintherapie unmöglich ist. Blutzucker-Selbstkontrollen werden mit Blutglukosemessgeräten durchgeführt, das dafür benötigte Blut wird aus der seitlichen Fingerbeere gewonnen.

Regelmässige Untersuchungen durch Fachpersonen

Um den Verlauf des Diabetes verfolgen zu können und um das Entstehen von Spätfolgen zu vermeiden oder möglichst lange hinauszuzögern, ist es sehr wichtig, dass folgende Untersuchungen regelmässig durch einen Arzt durchgeführt werden.

Alle 3 Monate (oder häufiger)

·         Beratung

·         körperliche Untersuchung inklusive Körpergewichtsbestimmung

·         Blutdruck

·         Blutzuckerbestimmung

·         HbA1c

·         Lipidprofil (Blutfettwerte wenn zu Beginn von den Sollwerten abweichend)

·         Mikroalbuminurie Eiweiss im Urin wenn zu Beginn vom Sollwert abweichend)

Alle Jahre

·         Komplette klinische und ergänzende Untersuchungen (erster Besuch)

·         Neubeurteilung der gegenwärtigen Therapie unter Einschluss der Ernährung

·         Beratung betreffend der Techniken zur Optimierung der

·         Fussuntersuchung

·         Elektrokardiogramm (EKG)

·         Untersuchungen des Auges und speziell des Augenhintergrundes beim Augenarzt

·         Falls notwendig: Konsultation eines Spezialisten

Betrachten Sie die Ärztin oder den Arzt sind nicht Kontrolleur sondern als Ihren ganz persönlichen Berater!

Folgen des nicht behandelten Diabetes mellitus

Die akuten Auswirkungen des Diabetes mellitus können normalerweise durch eine geeignete Therapie kontrolliert werden. Diabetes führt aber zu spezifischen Störungen von Organen, die durch Schädigung von kleinen und grösseren Gefässen verursacht werden. (Arterienverkalkung)

1. Schädigung der kleinen Gefässe

Diese Schädigungen zeigen sich hauptsächlich an der eingeschränkten Funktion der Augen, der Nieren und der peripheren Nerven. Je stärker der Blutzucker entgleist und/oder der Blutdruck

erhöht ist, umso früher und ausgeprägter zeigen sich diese Gefässschädigungen. Klinisch manifestieren sich diese hautsächlich in folgenden Organen:

Auge

teilweise Zerstörung der Netzhaut (Retinopathie)

Niere

zunehmende Schädigung der Nierenkörperchen, die Filtrationsleistung der Nieren ist eingeschränkt.

Periphere Nerven

die Neuropathie kann sich am ganzen Körper zeigen, v.a. aber im Bereich der Extremitäten.

Die Retinopathie entwickelt sich progressiv in Abhängigkeit von der Dauer des Diabetes mellitus. Eine geringfügige Retinopathie ist bei rund einem Viertel der Diabetiker bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung vorhanden. Der Anteil verdoppelt sich alle 8-10 Jahre mit dem weiteren Fortschreiten von Diabetes mellitus. Nach 20 Jahren sind praktisch alle Diabetiker von einer Retinopathie betroffen. Daher ist die Kontrolle des Augenhintergrundes in regelmässigen Abständen Pflicht! Die diabetische Retinopathie ist die Hauptursache des teilweisen oder vollständigen Sehverlustes in den Industrieländern.

Eine Schädigung der Nieren (Nephropathie) zeigt sich anfänglich ganz diskret mit dem Auftreten kleiner Eiweissmoleküle im Urin. Ein Ausscheiden dieser Substanz – das Albumin – zeigt, dass die Nierenkörperchen ihre Filtrationsaufgabe nicht mehr optimal erfüllen können: Es werden nun Substanzen filtriert, die eigentlich den Körper nicht verlassen sollten. Die milde Form der sich stetig

verschlimmernden Nephropathie wird als Mikroalbuminurie bezeichnet. Die Konzentration an Albumin wird im Morgenurin ermittelt. Diabetes ist die Hauptursache des Auftretens eines Nierenversagens in unserer Bevölkerung.

Die Schädigungen des peripheren Nervensystems (Neuropathien) mit ihrer vielfältigen klinischen Ausprägung ist die am häufigsten auftretende Komplikation beim Diabetes mellitus. Die „periphere diabetische Polyneuropathie“ zeigt sich v.a. an den Beinen. Dabei ist in erster Linie die Empfindung gestört. So kann z.B. der Diabetiker kleine Steinchen im Schuh nicht mehr wahrnehmen; durch Scheuereffekte entstehen Verletzungen, die sich entzünden können. Eine „autonome diabetische Neuropathie“ zeigt sich v.a. in Störungen der unwillkürlichen Motorik bestimmter innerer Organe (Harnblase, Magen-/Darm-Trakt, Herz).

Einfache Hilfsgeräte werden in der Diagnose von Neuropathien eingesetzt, wie Monofilament zur Bestimmung der Oberflächenempfindlichkeit oder die Stimmgabel zur Überprüfung des Vibrationsinns. Weiter müssen Lagesinn und Reflexe regelmässig analysiert werden.

2. Schädigung der grösseren Gefässe

Die grösseren Blutgefässe sind v.a. durch Risse in der Gefässwand oder durch Verengungen (atherosklerotische Veränderungen) betroffen. Klinisch treten die folgenden Organschäden auf:

Herz

koronare Herzkrankheit; Verengungen der Koronararterien führen zum Herzversagen.

Hirn

die cerebrovaskuläre Hirnkrankheit ist die Ursache von Schlaganfällen, Risse in der Wand der Hirngefässe führen zu Hirnblutungen.

Peripherie

von der peripheren Gefässkrankheit sind hauptsächlich die Extremitäten – hauptsächlich Haut und Unterhaut – betroffen. Besonderes Augenmerk sollte der Knöchelregion und den Füssen gewidmet werden. Diese schwerwiegenden Komplikationen stellen leider immer noch bei rund 70% aller Diabetiker die Todesursache dar.

 

Der diabetischer Fuss

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Füssen der Diabetiker. Hier können Komplikationen der Gefässe sowie Neuropathien sich im negativen Sinn verstärken und zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Es können entzündete Druck- und Scheuerstellen, nässende Hautverletzungen (Ulzerationen) auftreten, die sich oft infizieren. In der Folge kommt es zu eingeschränkter Mobilität – oft machen die gravierenden Probleme an der unteren Extremität beim Diabetiker ein Amputation notwendig.

Weitere Komplikationen können sein:

Leberschrumpfung (Leberzirrhose), Gallensteinleiden sowie bei männlichen Diabetikern eine Impotenz.

Dies ist der dritte Teil dieser Serie, die letzte Folge erscheint in nächsten Intern.

Weiter zu Teil 4

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