Diabetes mellitus oder Zuckerkrankheit Teil 4

Welche Werte werden bei Diabetes mellitus gemessen und sind wichtig für die Behandlung der Zuckerkrankheit

Blutzucker

Die Bezeichnung Diabetes mellitus kommt daher, dass bereits seit dem ausgehenden Mittelalter bekannt war, dass bei bestimmten Patienten der Urin einen süssen Geschmack haben konnte (lat. mellitus = honigsüss).

Ein wichtiger und leicht feststellbarer Faktor des Diabetes mellitus ist der Harnzucker, d.h. der Gehalt an Glucose (Traubenzucker) im Urin, der gewisse Rückschlüsse auf den Gehalt von Glucose im Blut erlaubt.

Glucose (Traubenzucker) ist ein normaler Blutbestandteil, seine Konzentration liegt in der Regel bei 0.75 – 0.95 Gramm pro Liter Blut. Da die Niere das Blut filtriert, werden mit dem Urin überschüssige Glucose-Moleküle aus dem Körper ausgeschieden. Normalerweise können bei einem Stoffwechselgesunden im nüchternen Zustand nur Spuren von Glucose im Urin nachgewiesen werden. Erst wenn der Blutzuckerspiegel im nüchternen Zustand auf 1.6 g/l (8.9 mmol/l, 160mg/dl) ansteigt, kommt es zum Überschreiten der so genannten „Nierenschwelle“ und zu einer markanten Glucoseausscheidung über die Nieren.

In der Praxis liegen der Beurteilung bestimmte Grenzwerte zu Grunde. Neben der früher gebräuchlichen Konzentrationsangabe in Gramm pro Liter oder Milligram pro dl (mg/dl), hat sich immer mehr die Einheit Millimol pro Liter etabliert (mmol/l). Für den normalen Blutzucker im gilt;

(allerdings sind für ältere Menschen um 1 mmol/l höhere Werte noch akzeptabel):

Blutzucker nüchtern

unter 6.1 mmol/l oder unter 110 mg/dl

 

Blutzucker postprandial (2 h nach dem Essen)

unter 7.8 mmol/l oder unter 140mg/dl

Der Anteil des Blutes, nachdem die Blutkörperchen abgetrennt wurden, wird Plasma genannt. Dies macht auch klar, dass man zwischen der Glucose-Konzentration im Vollblut und derjenigen im Plasma unterscheiden muss.

Meist wird der Blutzuckerwert zwei Stunden nach einer Mahlzeit (postprandial) oder aber nüchtern, das heisst am morgen nach dem Aufstehen ermittelt. Oft sind mehrere solcher postprandialen oder nüchtern gemessenen Glucosewerte notwendig, um eine abschliessende Beurteilung vorzunehmen. Standardmässig wird der postprandiale Blutzucker 2 Stunden nach der Mahlzeit ermittelt, als ideal gilt eine Konzentration von < 8.0 mmol/l. Der normale Nüchternwert sollte unter 5.2mmol/l sein. Diabetiker sind heute in der komfortablen Lage, dass sie ihren Blutzucker selbständig messen können. Dazu stehen Teststreifen oder spezielle Messgeräte zur Verfügung, mit denen in kürzester Zeit (12 Sekunden bis 2 Minuten) der aktuelle Blutglucosewert ermittelt werden kann.

Neuerdings hat die Bestimmung des HbA1c-Wertes immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Glucose bildet mit dem Hämoglobin (Hb) in den roten Blutkörperchen Verbindungen – ein bestimmter

Prozentsatz der roten Blutkörperchen bleibt bis zu ihrem Absterben untrennbar mit der Glucose verbunden. Da die Lebensdauer der Blutkörperchen rund drei Monate beträgt, erlaubt der HbA1c-Wert Rückschlüsse auf die Blutzuckerwerte der vergangenen Wochen. Der HbA1c-Wert, der als Prozentsatz angegeben wird, kann quasi als Blutzuckergedächtnis betrachtet werden! Ideal ist ein Anteil von 5.0% bis 7.0%.

Eine Unterzuckerung (Hypoglycaemie) zeigt sich sehr massiv mit Zittern, Schweissausbrüchen, Herzrasen usw. Eine Unterzuckerung muss sofort mit der Einnahme von Zuckern, die sehr schnell aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden, behandelt werden. Am besten geeignet sind Traubenzucker, gesüsste Fruchtsäfte, reife Bananen oder Weissbrot.

Blutfette

 

Obwohl der Bluthochdruck den wichtigsten Risikofaktor beim Diabetiker darstellt, sind in jüngerer Zeit Entgleisungen des Fettstoffwechsels immer mehr in den Vordergrund gerückt. Die Blutfette Triglyceride und Cholesterin mischen sich nicht mit einem wässrigen Medium, sie sind so genannt hydrophob. Daher müssen diese Substanzen für den Transport im Blut an Eiweisse (Proteine) gebunden werden. Die so entstehenden Komplexe nennt man Lipoproteine.  Gemäss ihrer Aufgabe unterscheiden wir drei verschiedene Formen von Lipoproteinen im Blut:

Chylomikrone besorgen den Transport der Nahrungsfette aus dem Darm, wo sie aufgenommen wurden in die Leber.

Die Low Density Lipoproteins (LDL) enthalten hauptsächlich Cholesterin und transportieren dieses zu den Verbraucherzellen.

Die High Density Lipoproteins (HDL) sind für den Rücktransport der Fette aus dem Gewebe in die Leber verantwortlich.

Alle diese Blutfettpartikel haben in unserem Organismus ihre spezifische Aufgabe, jedoch ist deren anteilmässige Verteilung oder das Lipidprofil von entscheidender diagnostischer Bedeutung:

Das ideale Lipidprofil

 

Totalcholesterin< 5.0 mmol/l

Quotient Total-/HDL-Cholesterin< 5

LDL-Cholesterin< 3.0 mmol/l

Wie grosse klinische Studien mit aller Deutlichkeit zeigen konnten, bergen die verschiedenen Formen von erhöhten Blutfetten ein hohes kardiovaskuläres Risiko und werden als Hauptursache von krankhaften Blutgefässveränderungen angesehen (Atherosklerose). Die Prognose ist vor allem dann ungünstig, wenn gleichzeitig die HDL-Spiegel erniedrigt sind – was leider bei Diabetikern oft der Fall ist!

Bluthochdruck (Hypertonie)

Der Bluthochdruck ist durch eine, im Allgemeinen dauerhafte, Erhöhung des Blutdrucks in den arteriellen Gefässen gekennzeichnet. Das Risiko eines krankhaften Ereignisses im Herz-Kreislauf System nimmt mit der Erhöhung des Blutdrucks stark zu. Die kardiovaskulären Krankheiten stellen bei

Diabetikern die Haupt-Todesursache dar – bei Diabetikern können 75% von diesen auf einen Bluthochdruck zurückgeführt werden. Diabetiker mit schlecht eingestelltem Blutdruck entwickeln wesentlich schneller einen Nierenschaden als solche, deren Blutdruck gut kontrolliert ist. Der Blutdruck wird immer noch in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben, dabei wird ein Wertepaar angegeben. Der höhere Wert bezieht sich auf den Blutdruck während der Kontraktionsphase des Herzens (systolischer Wert), der tiefere auf dessen Erschlaffungsphase (diastolischer Wert). Die Grenze zwischen normalen und krankhaften Blutdruckwerten kann nicht scharf gezogen werden: Als grenzwertig werden generell systolische Drucke von 140 bis 160 mmHg und diastolische Drucke von 90 bis 95 mmHg betrachtet. Hinsichtlich des Therapieziels „Symptomfreiheit“ sind Blutdruckwerte von 140/90 mmHg anzustreben. Beim jüngeren und schlankeren Diabetiker sollte ein Blutdruck von 135/85 mmHg erreicht werden, der heute allgemein als ideal angesehen wird!

Wie Sie aus den letzten 4 Nummern des Hittnau intern entnehmen können, ist Zuckerkrankheit eine vielschichtige Krankheit, welche unbehandelt zu ernsthaften Komplikationen führen kann. Mit den heutigen Möglichkeiten der Therapie und der Kontrolle, können aber Diabetiker ein qualitativ gutes erfülltes und langes Leben führen.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen einen Einblick in diese Krankheit geben und erhoffen uns, dass alle Betroffenen motiviert wurden, Ihre Krankheit gut einzustellen und dass alle nicht oder noch nicht betroffenen aufgerufen werden, Ihren Blutzucker regelmässig kontrollieren zu lassen.

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