Impfempfehlungen 2019 Teil 1

Aktuelle Impfempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit

Ende März wurden die neusten Impfempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit veröffentlicht. Da uns dieses Thema besonders am Herzen liegt und es in den letzten Jahren wiederholt Anpassungen an die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse gegeben hat, möchten wir sie im aktuellen sowie dem nächsten «Gsundheitstipp» über die Änderungen der letzten Jahre informieren.

Die wichtigsten Neuerungen kurz zusammengefasst:

Neu werden Säuglinge früher gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft, die Pneumokokkenimpfung sowie die Hepatitis-B-Impfung werden jedem Kind empfohlen und jede Schwangere (in jeder Schwangerschaft) gegen Keuchhusten geimpft. Gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, H. influenzae und Kinderlähmung wird jeweils eine Impfung weniger benötigt. Zudem wird die FSME-Impfung neu praktisch allen Einwohnern der Schweiz und die Impfung gegen Gürtelrose allen ab 65 Jahren empfohlen.

Grundsätzliches zu Impfungen:

Grundsätzlich sind Impfungen eine wirkungsvolle Methode, um Krankheiten und ihre Komplikationen zu vermeiden. Sie werden heutzutage millionenfach bei Kindern und Erwachsenen angewendet und verursachen als Nebenwirkung meist nur leichte Beschwerden. Viele schwere Komplikationen von eigentlichen Kinderkrankheiten sind aufgrund der Impfungen sehr viel seltener geworden. Beispiele für die Erfolge sind die weltweite Elimination der Pocken oder die Eindämmung der Kinderlähmung.

Die Impfungen unterdrücken das Immunsystem keinesfalls, wie oft befürchtet wird. Sie ahmen eine natürliche Infektion nach, so dass eine Abwehrreaktion durch das Immunsystem ausgelöst wird. Bei einem späteren Kontakt mit dem echten Virus oder Bakterium ist das Immunsystem bereits vorgewarnt und reagiert darum ungleich rascher und effizienter. Die Impfung nimmt dem Immunsystem also nicht die Arbeit ab, sondern trainiert die Abwehrreaktion.

Aktuelle Impfempfehlungen im Detail:

Diphtherie, Tetanus, Pertussis

Die Diphterie ist eine schwere Infektion des Kehlkopfes. Die Infektion kann sehr rasch verlaufen und führt zum Anschwellen des Kehlkopfes. Sie kann vor allem bei Kleinkindern zum Erstickungstod führen. Die Krankheit ist auch unter dem Namen „echter Krupp“ bekannt und zum Glück seit der Impfung selten geworden.

Die Tetanuserkrankung (Starrkrampf) wird durch Bakterien verursacht, welche vorwiegend in der Erde leben. Verschmutzte Verletzungen können zu einer Infektion mit diesen Bakterien führen. Es reichen dazu Verletzungen mit Dornen im Garten.

Der sehr ansteckende Keuchhusten (Pertussis) ist vor allem für Säuglinge eine schwere Erkrankung.  Sie leiden an schweren Hustenanfällen mit Erstickungssymptomen und dies bis zu 50x pro Tag. Die Krankheit kann bis zu 4 Wochen dauern. Komplikationen sind Lungenentzündungen, Krämpfe und gelegentlich bleibende Schädigungen des Gehirns. Einer von 200-300 Säuglingen stirbt bei einer Erkrankung mit diesem Keim.

Zum Schutz vor diesen drei Erkrankungen empfiehlt das BAG die Grundimmunisierung mit neu total (nur) noch 3 Impfungen im Alter von 2, 4 und 12 Monaten, welche mittels Sechser-Kombi-Injektion (zusammen mit anderen Impfstoffen) verabreicht werden können. Reguläre Auffrischimpfungen folgen mit 4-7 Jahren und dann mit 11-15 Jahren. Danach ist die nächste Auffrischimpfung erst wieder mit 25 Jahren notwendig.

Bei Verletzungen, welche relevant verschmutzt sind, wird eine zusätzliche Tetanusimpfung empfohlen, sofern die letzte Impfung länger als 10 Jahre her ist. Ebenso sollte der Pertussis-Impfschutz in jeder Schwangerschaft aufgefrischt werden; zudem bei allen Personen, welche Kontakt mit Säuglingen unter 6 Monaten haben, deren letzte Impfung mehr als 10 Jahre zurückliegt.

Hepatitis B

Hepatitis B ist eine Leberentzündung, welche durch das Hepatitis-B-Virus ausgelöst wird. Übertragen wird das sehr ansteckende Hepatitis-B-Virus durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten (insbesondere Blut und Genitalsekreten) infizierter Personen. Infizierte Mütter können die Krankheit während der Geburt auf ihr Kind übertragen.

Meist heilt eine akute Hepatitis B spontan vollständig aus. Bei 5 bis 10 % der Personen, die sich als Erwachsene angesteckt haben und bei 90 % der Säuglinge, die während der Geburt infiziert wurden, entwickelt sich jedoch eine chronische Hepatitis B. Diese kann zur Vernarbung der Leber (Leberzirrhose) oder zu Leberkrebs führen.

Zur Vorbeugung gegen Hepatitis B wird die Impfung neu für alle Säuglinge zum Zeitpunkt der regulären Impftermine (2, 4, 12 Monate) mittels Sechser-Kombi-Injektion empfohlen. Die Impfung kann aber in jedem Alter verabreicht werden. Das konsequente Einhalten der Safer Sex-Regeln verringert das Risiko, sich mit Hepatitis B zu infizieren.

Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Die Kinderlähmung ist seit 20 Jahren in der Schweiz verschwunden und seit 2002 ist auch Europa frei von Kinderlähmung. Dies ist einer der Erfolge der Impfung. Andernorts ist das Poliovirus aber teilweise noch vorhanden, so dass man sich auf Reisen anstecken kann. Die Polioviren zerstören Nervenzellen und verursachen dadurch meist lebenslange Lähmungen.

Zur Immunisierung gehören neu nur noch 4 Impfungen, welche ebenfalls in der Sechser-Kombi-Injektion enthalten sind. Nach 10 Jahren wird eine Auffrischimpfung empfohlen, falls man in Regionen reist, wo Polioviren noch verbreitet sind (Afrika (Subsahara), Naher- und Mittlerer Osten, Indonesien, Burma).

MMR (Masern, Mumps, Röteln)

Masern, Mumps und Röteln sind sehr ansteckende, durch Viren verursachte Krankheiten, für die es keine heilende Behandlung gibt und die fälschlicherweise oft als harmlos bezeichnet werden. Obwohl viele Leute nach einigen Tagen wieder gesund sind, führen die Krankheiten zu schweren und belastenden Beschwerden. Ausserdem können schwere Komplikationen (u.a. Hirnhautentzündung, Unfruchtbarkeit, Fehlbildungen bei Ungeborenen) auftreten, die bleibende körperliche- oder geistige Schäden und in seltenen Fällen den Tod verursachen können.

Die Impfung ist das einzige wirksame Mittel, um sich gegen diese Krankheiten zu schützen. Aus diesem Grund wird empfohlen, alle Kinder mit zwei Dosen des MMR-Impfstoffes impfen zu lassen. Die Impfdosen werden neu früher und in kürzerem Abstand verabreicht. Dies weil sich gezeigt hat, dass der Impfschutz früher aufgebaut sein muss. Neu wird somit mit 9 und 12 (bis 13) Monaten geimpft, wobei es für eine optimale Wirkung wichtig ist, dass die Termine relativ genau eingehalten werden. Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine weltweite Masernelimination, welche dann erreicht wird, wenn 95% der Menschen geimpft sind. In der Schweiz liegen wir momentan um 90%, in Finnland wurden die Masern 1995 eliminiert.

Fortsetzung folgt…

Die Impfempfehlungen zu den Themen Meningokokken, FSME, Humanes Papillomavirus, Pneumokokken, Windpocken und Saisonale Grippe folgen im nächsten «Hittnau intern».

Gerne beraten wir sie bezüglich aller Impfungen in unserer Praxis.

Literatur: Schweizerische Impfpläne, Infovac Bulletin, C. Berger (Infektiologie, Kispi Zürich) Homepage BAG.

Dres. med. Reto Schnyder, Thomas Fuhrer, Bastian Lindauer

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