Impfempfehlungen 2019 Teil 2

Aktuelle Impfempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit

 

Ende März wurden die neusten Impfempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit veröffentlicht. Da uns dieses Thema besonders am Herzen liegt und es in den letzten Jahren wiederholt Anpassungen an die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse gegeben hat, möchten wir sie genauer darüber informieren. Der erste Teil dazu ist bereits im Gsundheitstipp der April-Ausgabe 2019 erschienen. Hier folgt nun der zweite Teil, welcher über weitere, wichtige Krankheiten und deren Impfung informiert.

Meningokokken

Meningokokken-Erkrankungen werden durch verschiedene Untergruppen dieser Bakterien verursacht. 10 bis 15% der europäischen Bevölkerung tragen im Nasen-Rachen-Raum Meningokokken, ohne selbst zu erkranken. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, z. B. beim Niesen, Husten oder Küssen. Eine Infektion kann milde verlaufen und spontan abheilen. Gelangen die Bakterien jedoch durch die Schleimhaut ins Blut, kann es zu schweren Erkrankungen wie schwerer Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung (Meningitis), teilweise mit Todesfolge kommen.

In der Schweiz kommt es jährlich zu rund 60 schweren Meningokokkenerkrankungen. Hauptsächlich betroffen sind Kinder unter 5 Jahren und Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren.

Die Impfung gegen Meningokokken ist als Basisimpfung (dringend) für Rekruten, gewisse Reisende und immungeschwächte Menschen empfohlen. Zudem ist als ergänzende Impfung im Alter von 2 und 11 bis 15 Jahren. Dabei wird neu ein breiter wirksamer Impfstoff angewendet, weil in den letzten Jahren gewisse Meningokokkengruppen häufiger bei uns aufgetreten sind.

FSME

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird von Viren verursacht, welche durch Zeckenstiche übertragen werden.

Zecken leben vor allem in Laubwäldern mit üppigem Unterholz und kommen in der ganzen Schweiz bis auf einer Höhe von zirka 2000 Meter über Meer vor. Neben Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME können Zecken auch die Bakterien die Borreliose verursachen übertragen.

Sieben bis vierzehn Tage nach dem Stich einer infizierten Zecke kann es zu einer ersten Krankheitsphase mit grippeartigen Symptomen kommen. Bei 5 bis 15 % der Infizierten kommt es nach einem beschwerdefreien Zeitraum zum Befall des Nervensystems mit Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel, Konzentrations- und Gehstörungen, die über Wochen oder Monate anhalten. Bei einem gewissen Teil der Patienten treten Lähmungen auf oder bleiben Behinderungen zurück. In schwersten Fällen führt die FSME-Infektion gar zum Tod. Eine ursächliche Behandlung der FSME ist nicht möglich, es können lediglich Symptome behandelt werden.

Die FSME tritt immer häufiger auf. Gab es 2005 noch 100-200 Fälle pro Jahr, so waren 2018 bereits 380 Menschen in den meisten Gebieten der Schweiz betroffen. Aus diesem Grund wird die Impfung neu für alle Einwohner der Schweiz (ab 6 Jahren) empfohlen, sofern sie sich gelegentlich im Wald oder der Nähe von Hecken und Büschen aufhalten. Ausnahmen sind die Bewohner der Kantone Genf und Tessin, wo bisher kaum FSME-Fälle aufgetreten sind. Ergänzend sind die allgemeinen Schutzmassnahmen gegen Zecken zu beachten: gut abschliessende Kleidung und das Meiden von Unterholz. Hilfreich sind ausserdem Schutzmittel für die Haut und Insektizide für die Kleider.

Humane Papillomaviren

Die humanen Papillomaviren sind die häufigste sexuell übertragbare Infektion. Mehr als 70% der sexuell aktiven Männer und Frauen stecken sich im Laufe des Lebens mit diesem Virus an. Meist verursachen die HP-Viren keine Beschwerden. Leider kann das HP-Virus bei der Frau aber Gebärmutterhalskrebs und bei beiden Geschlechtern Analkrebs oder Rachenkrebs verursachen. Zudem werden auch die unschönen und hartnäckigen Genitalwarzen durch HPV verursacht.

99% der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen können durch die Impfung verhindert werden. Der jährliche gynäkologische Untersuch mit regelmässigen Krebsabstrichen bleibt aber unerlässlich. Ideal ist eine Impfung gegen HPV vor dem ersten Geschlechtsverkehr, damit die Impfung noch vor einer ersten HPV Infektion erfolgt. Im Alter von 11 bis und mit 14 Jahren reichen zwei Impfungen. Falls die erste Impfung erst mit 15 Jahren erfolgt, braucht es 3 Dosen. Die seit einigen Jahren verfügbare HPV-Impfung schützte bereits gegen vier gefährliche Typen. Seit 2019 gibt es jetzt einen Impfstoff gegen neun verschiedene Typen. Auch Knaben wird die Impfung zum Schutz vor Genitalwarzen, Anal- und Rachenkrebs sowie der Verminderung der Weiterübertragung empfohlen. Sämtliche Kosten für die HPV-Impfung werden vom Kanton getragen.

Pneumokokken

Neu wird die Pneumokokkenimpfung allen Säuglingen als Basisimpfung empfohlen. Pneumokokken-Erkrankungen werden durch verschiedene Typen des Pneumokokken-Bakteriums ausgelöst. Diese leben im Nasen-Rachen-Raum vieler Menschen, ohne eine Erkrankung zu verursachen. Zum Ausbruch der Krankheit kann es kommen, wenn die Immunabwehr vermindert ist, z.B. durch eine andere Krankheit. Besonders gefährdet sind Personen mit Immunschwäche, chronischer Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankung, Leberzirrhose, Diabetes. Pneumokokken können verschiedene Erkrankungen verursachen. Dazu gehören Lungenentzündung, Blutvergiftung, Mittelohrentzündung und Hirnhautentzündung (Meningitis). Bei Kindern unter zwei Jahren sind Pneumokokken die häufigste Ursache für akute bakterielle Hirnhautentzündungen. Diese kann tödlich enden oder zu schweren bleibenden Schäden führen. Die Behandlung von Pneumokokken-Erkrankungen wird durch Resistenzen gegen Antibiotika erschwert.

In der Schweiz kommt es pro Jahr zu etwa 1000 schweren Pneumokokken-Erkrankungen, meist Lungenentzündungen, seltener Blutvergiftungen oder Hirnhautentzündungen. Sie treten in den Wintermonaten häufiger auf als im Sommer. Hauptsächlich betroffen sind Kinder unter zwei Jahren sowie Personen über 65 Jahren. Insgesamt sterben jährlich gegen 100 Erkrankte, von denen rund 80% über 65 Jahre alt sind.

Die Impfung wird bei Säuglingen mit je einer Injektion zum Zeitpunkt der üblichen Impftermine (2, 4, 12 Monate) durchgeführt.

Windpocken (= Wildi Blaterä) und Herpes Zoster (= Gürtelrose)

Diese Krankheitsbilder werden durch das Varizella-Zoster-Virus verursacht. Die Viren werden meist schon in der Kindheit durch Tröpfchen in der Luft von Mensch zu Mensch übertragen. Beim Erstkontakt führt dies zu den «Wilden Blatern» (= Windpocken) und heilt meist folgenlos aus. Tritt die Erstinfektion erst im Erwachsenenalter auf, können jedoch schwere Schädigungen auftreten. Ganz besonders gravierend ist eine Erstinfektion während der Schwangerschaft, da dies zu schwersten Missbildungen beim Fötus führen kann.

Nach Abklingen der «Wilden Blatern» verbleibt das Virus lebenslang in bestimmten Nervenzellen und kann bei Immunschwäche oder zunehmendem Alter wieder Beschwerden in Form der Gürtelrose machen. Dabei kommt es auf einer Körperseite zu einem streifenförmigen Hautausschlag mit Bläschen. Es können verschiedene Komplikationen auftreten: Gelegentlich ist der Ausschlag begleitet von starken und langanhaltenden Schmerzen und in 10–20 % der Fälle ist ein Auge vom Ausschlag mitbetroffen.  Rund 20 % der Menschen, welche die Windpocken durchgemacht haben, erkranken später im Leben einmal an einer Gürtelrose.

Die Impfung gegen Windpocken wird Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren empfohlen, falls sie die «Wilden Blatern» bis zu diesem Alter nicht sicher durchgemacht haben.

Seit 2018 wird zudem empfohlen, alle Menschen zwischen 65-79 Jahren gegen die Reaktivierung des Virus und das damit verbundene Auftreten der Gürtelrose zu impfen.

Gerne beraten wir sie bezüglich aller Impfungen in unserer Praxis.

Literatur: Schweizerische Impfpläne, Infovac Bulletin, C. Berger (Infektiologie, Kispi Zürich) Homepage BAG.

Dres. med. Reto Schnyder, Thomas Fuhrer, Bastian Lindauer

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