Snowboard, Inline-Skates & Co.

Aktuelle Daten über das Verletzungsrisiko bei modernen Jugendsportarten

Inline-Skaten, Mountain Bike, Hockey, Tennis, Aerobic, Kunstturnen, Ballett, Ski und Snowboard – die Liste der von Kindern und Jugendlichen ausgeübten Sportarten ist lang, die Beliebtheit, vor allem der neueren Sportarten wachsend. Was meist als günstig für die körperliche und psychische Entwicklung des jungen Menschen angesehen wird, bringt aber auch Gefahren mit sich: Die Statistik zeigt, dass Sport die häufigste Unfallursache bei Kindern und Jugendlichen ist. 59% der Unfälle bei Kindern und Jugendlichen ereignen sich im Freizeit- und Spielbereich, 31% der Unfälle im organisierten Sport, also in Vereinen etc. Unfälle im Strassenverkehr und im Haushalt rangieren mit jeweils 5% glücklicherweise unten auf der Skala. 36% der Unfälle ereignen sich im Wintersport, 23% beim Ballspielen und 18% beim Radsport, zu welchem auch Rollschuhlaufen und Inline-Skaten gezählt werden. Vor allem im Wintersport und beim Radfahren ereignen sich auch die schlimmen Unfälle, was die Verletzungen anbelangt.

Neue, „gefährliche“ Sportarten?

Wie sieht die Unfallgefährdung bei neuen Sportarten, wie Inline-Skaten und Snowboarden aus, welche bei Primarschülern und Pubertierenden besonders „In“ sind? Immer mehr junge, schlecht geschützte, „rasante“ Fahrer geben Anlass zur Besorgnis, während die Umsätze der Skates und Bretter steigen und immer jüngere Fans dazu kommen.
Das Verletzungsrisiko mit Inline-Skates steigt bei Kindern vor allem ab 7 Jahren an, nivelliert sich zunächst, um im Alter von 9 – 15 Jahren  wieder anzusteigen. Nach dem Alter von 15 Jahren sinkt das Risiko steil nach unten. Später ist es fast null. Erst die Mütter und Väter, die neu mit Inlinen anfangen, verletzten sich wieder häufiger.
Beim Snowboarden widerspiegelt sich das gleiche Bild. Das Verletzungsrisiko steigt ab dem Alter von 9 – 11 Jahren deutlich an. Die Spitze wird im 14/15. Altersjahr erreicht, um dann wieder steil abzufallen. Bei jungen Erwachsenen steigt das Risiko wieder stark an, da Snowboarden zunehmend auch von der „älteren“ Jugend betrieben wird.
Im Vergleich der Geschlechter zeigt sich, dass zu mehr als der Hälfte Knaben von Unfällen betroffen sind. Beim Inline-Skaten erleiden 65% der Kanben und 35% der Mädchen irgendwann einmal einen Unfall. Beim Snowboarden sind es 63%, respektive 37%. Die überwiegende Mehrheit der Unfälle geschieht durch Stürzte ohne Kollision mit anderen Sportlern. Ca. 6% der Stürze ereignen sich nach Kollisionen mit anderen Sportlern oder mit einem Objekt.

Typische Verletzungen
Bei den Verletzungen, die sich durch die beiden Sportarten ereignen, handelt es sich in den meisten Fällen um Knochenbrüche. In über der Hälfte sind die Hände, Arme und Schultern betroffen (Inline 66%, Snowboard 56%), häufig auch der Kopf mit 17, beziehungsweise 20%. Beine und Füsse werden jeweils zu 15% verletzt, der Rumpf zu 2, respektive zu 9%. Rechnet man alle Brüche zusammen werden beim Skaten 92% und beim Boarden 86% die obere Extremität betroffen. Vorderarmbrüche sind besonders häufig (73% versus 56%). Snowboardunfälle sind nicht selten recht schwer: Fast 25% der Verletzten müssen stationär behandelt werden. Bei den Inlinern beträgt der stationäre Anteil gut 10%.

Verletzungen

Inline

Snowboard

Brüche

61%

47%

oberflächl. Verletzungen/Prellungen

8%

23%

Verstauchung/Zerrung/Gelenksausrenkungen

13%

16%

Offene Wunden

13%

2%

Hirnverletzungen

5%

12%

Die schwersten Unfälle bei Kindern und Jugendlichen im Sport ereignen sich beim Wassersport, Skifahren, Schlitteln und in der Gymnastik. Bei älteren, 10 – 14 jährigen Schülern, treten allgemein schwerere Verletzungen auf als bei jüngeren. Typisch ist, dass sich fast alle schweren Verletzungen bei Tätigkeiten ereignen, denen eine gewisse Dynamik eigen ist und die ohne spezielle Schutzausrüstung ausgeübt werden. Bei Sportarten mit Schutzkleidung bsp. beim Eishockey, sind Verletzungen zwar nicht weniger häufig, jedoch durch das schützende Outfit deutlich weniger schwer, obwohl oft das Gegenteil vermutet wird.

Welches sind die Risikofaktoren? 

1.  die Häufigkeit und Intensität, mit welcher eine Sportart betrieben wird.
2.  der Trainingszustand
3.  das Geschlecht: Jungen sind deutlich mehr betroffen als Mädchen
4.  das biologische Alter/pubertäre Stadium. Während der Pubertät ereignen                   sich die meisten und schwersten Unfälle
5.  das Nichttragen von Schutzkleidung

Welches sind die Konsequenzen?

Die erhöhte Verletzungshäufigkeit und –schwere bei Schulkindern und Jugendlichen muss und kann durch geeignete Vorsorgemassnahmen minimiert werden. Primäre Vorbeugung bedeutet die Unfallverhinderung durch geeignete Massnahmen, sekundäre Vorbeugung bedeutet die Minderung der Verletzungsschwere und tertiäre Vorbeugung bedeutet die Minderung der Verletzungsfolgen.

Zur primären Vorbeugung gehören
1.verantwortungsvolles Erziehen zur Vorsicht, Ausbildung und Training
2.Besuchen von Grundkursen beim Erlernen einer neuen Sportart
3.Nur markierte Pisten benutzen beim Boarden und Skifahren
4.Strassen meiden beim Skaten
5.Späte Nachmittage meiden beim Boarden (Ermüdung)
6.Dauer der sportlichen Betätigung dem Alter und Können anpassen
7.Sportart der Konstitution anpassen (biologisches Alter)

Zur sekundären Vorbeugung gehören
1.der Temperatur und somit auch dem Alter angepasste Kleidung
2.konsequentes Tragen von Handgelenk-, Knie- Ellenbogenschoner
3.Helmtragen soll „In“ werden, nicht nur für Kleinkinder (Skifahren, Boarden, Velo,          Skaten)
4.das Sportgerät pflegen (regelmässiger Service)
5.Vorbildfunktion von Eltern, Erziehern, Lehrer, Trainern ausnützen
6.Lieber kein Sport, als ein Sport ohne die mögliche und angepasste                              Schutzkleidung

Die tertiäre Vorbeugung geht vor allem die behandelnden Ärzte und Spitäler an. Durch Untersuchung und  Analyse der Unfälle und der jeweiligen Folgen können und müssen daraus wiederum primäre und sekundäre Vorbeugemassnahmen abgeleitet werden. Die richtige Behandlung von Verletzungen, sowie der richtige Trainingsaufbau nach Verletzungen gehört auch in diese Kategorie.

Zu guter Letzt müssen leider auch neue Vorschriften erlassen und vor allem Kontrollen durch den Gesetzgeber durchgeführt werden, um Unfälle vermeiden zu können. Die immensen Kosten, die der Allgemeinheit durch vermeidbare Unfälle entstehen, zwingen den Gesetzgeber gerade dazu, solche Vorschriften zu erlassen. (Kaum ein Schulkind trägt einen Velohelm auf dem Schulweg.)

Gelingt es uns, beispielsweise das Tragen von Helmen und Gelenkschoner so zu Verkaufen, dass es für die Jugendlichen „In“ wird, können wir auf Vorschriften verzichten. Besonders kleine Kinder sollen schon ab Beginn einer Sportart dazu angehalten werden, Schutzkleider zu tragen, so dass sie gar nichts anderes kennen.

Sport ist gesund, durch richtiges Verhalten können Unfälle oft vermieden werden.

Nützliches:

Sprechstundenvereinbarung 044 950 40 70

Ärztehotline täglich von 13.30-14.00 Uhr auf die Nummer 044 950 40 90

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