Wichtige Fragen zum Impfen in der Coronazeit

Wichtige Fragen zum Impfen in der Corona-  und der kommenden Grippezeit.

 

Impfungen schützen nicht langfristig und müssen ständig wiederholt werden?

 

Ob eine Impfung wiederholt werden muss oder nicht, ist von Impfstoff zu Impfstoff unterschiedlich. Wenn beispielsweise ein Kind im Rahmen der sogenannten Grundimmunisierung zweimalig eine Kombinationsspritze gegen Masern, Mumps und Röteln erhält, kann man davon ausgehen, dass der Immunschutz gegen Masern und Röteln tatsächlich ein Leben lang währt.

Anders verhält es sich bei Tetanus, Diphtherie, Polio oder Keuchhusten. Die Impfung gegen diese Krankheiten muss gemäss Impfplan wiederholt werden. Einen kürzeren Schutz bietet eine Grippeimpfung: Da sich der Grippeerreger enorm schnell verändert, müssen gefährdete Personen den Immunschutz jedes Jahr mit einem neu zusammengesetzten Impfstoff auffrischen lassen.

Aufgrund der zeitlich begrenzten Wirkung eines Impfstoffes ist jedoch nicht von einer geringen Effektivität auszugehen. So kann eine jährliche Grippe­schutz­impfung bei chronisch Kranken oder alten Menschen das Risiko für lebens­be­droh­liche Er­kran­kungs­ver­läufe verringern. Deshalb ist es wichtig nicht erst in hohem Alter mit der Impfung zu beginnen.

Wie sich dies mit der, so hoffen wir bald erhältlichen Coronaimpfung, verhält, wissen wir im Moment noch nicht.

 

Man kann trotz Impfung erkranken?

Keine einzige Impfung vermag ausnahmslos alle Geimpften zu schützen (Impfversager)  ebenso wie kein Medikament bei sämtlichen Patienten wirkt. Allerdings können Impfungen die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich senken. Bei Jungen ist die Versagerquote je nach Impfstoff 1:20, bei Alten aber wegen des weniger guten Immunsystems bis 1: 5, d.h. bei jedem 5 alten Menschen schlägt die Impfung nicht an.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: In einer Schule träte eine Masern­epidemie auf. Die eine Hälfte der Schüler wäre geimpft, die andere nicht. Sta­tis­tisch gesehen würden etwa 97 bis 98 Prozent der nicht geimpften Schüler er­kran­ken, wohingegen unter den Geimpften nur zwei bis drei Prozent erkrankten. Bei der Grippeimpfung dagegen ist die Wirkung weniger gut. Je nach Alter und Ge­sund­heits­zustand schützt sie etwa 40 bis 75% Prozent der Geimpften vor Grippe, wobei die Impfung bei alten Menschen in der Regel am schlechtesten anschlägt. Auf Grund des Herdenschutzes würde es somit Sinn machen die Jungen, bei welcher eine Impfung sehr gut schützt, zu Impfen um die alten Menschen vor der Krankheit zu schützen. Bis das möglich ist braucht es ein Umdenken in der Impfstrategie und in der Bevölkerung. Impfen schützt nicht nur den Geimpften, sondern auch die Anderen.

Die gleiche Frage stellt sich dann auch bei der Corona-Impfung. Bei den Jungen wird diese besser Schützen als bei den Alten. Wenn genügend Impfstoff vorhanden ist, würde es Sinn machen, möglichst viele Junge zu Impfen um die Risikopatienten  zu Schützen.

 

Das Durchmachen von Krankheiten ist für eine normale Entwicklung des Kindes wichtig und bewirkt einen besseren Schutz als eine Impfung?

Gelegentlich berichten Eltern, ihr Kind habe nach dem Durchmachen einer Infektionskrankheit einen Entwicklungssprung gemacht. Sie schlussfolgern daraus, dass Infektionskrankheiten wichtig für die normale Entwicklung von Kindern seien und Impfungen diese verzögerten. Richtig ist: Bisher konnten wissenschaftliche Studien nicht belegen, dass sich nicht geimpfte Kinder geistig oder körperlich besser entwickeln als geimpfte. Dies wäre auch nicht plausibel. Die verfügbaren Schutzimpfungen richten sich gegen rund ein Dutzend besonders häufig auftretender oder gefährlicher Erreger – mit hunderten weiteren Erregern muss sich das Immunsystem täglich auseinandersetzen.

Auch die Impfung selbst stellt für das Abwehrsystem einen Stimulus dar und trainiert das Immunsystem. Dementsprechend wäre es ausgesprochen überraschend, wenn geimpfte Kinder generell eine schwächere Konstitution besässen oder über dauerhaft weniger Abwehrkräfte verfügten. Hinzu kommt: Selbst wenn man, wie eingangs geschildert, manchen Krankheitserfahrungen einen positiven Wert beimessen mag, steht umgekehrt ausser Frage, dass Kinder in der Regel durch Infektionen in ihrer Entwicklung zurückgeworfen werden und gesundheitliche Komplikationen bis hin zu Todesfällen die Folge sein können. Genau diese lassen sich mit der Hilfe von Impfungen vermeiden.

 

Ein Baby bekommt von der Mutter Abwehrstoffe. Dieser natürliche Schutz reicht doch aus?

Tatsächlich überträgt bereits eine Schwangere über den Blutkreislauf Antikörper zum Schutz gegen bestimmte Infektionen auf ihr ungeborenes Kind. Mit der Muttermilch erhält der Säugling dann weitere Abwehrstoffe. Dieser sogenannte Nestschutz ist jedoch nur in den ersten Lebensmonaten eine Stütze für das sich entwickelnde kindliche Immunsystem; zudem erstreckt er sich nur auf bestimmte Infektionskrankheiten. Da es sich bei den Abwehrstoffen der Mutter um für das Kind körperfremde Stoffe handelt, werden diese vom Immunsystem des Kindes zerstört.

Die Mutter kann Antikörper nur gegen solche Krankheiten weitergeben, die sie selbst durchgemacht hat oder gegen die sie geimpft wurde – und auch nur dann, wenn bei ihr die Konzentration der Antikörper gegen den betreffenden Erreger noch ausreichend hoch ist.

Beispiel  Masern: Das Kind einer gegen Masern immunen Mutter ist bis längstens 6 Monate nach der Geburt vor Masern geschützt, wobei der Nest­schutz bei Kindern geimpfter Mütter kürzer ist als bei Kindern von Müttern, die die Ma­sern­infektion durchgemacht haben. Das Stillen bewirkt keinen Schutz ge­gen Ma­sern beim Säugling. Junge Frauen sollten daher unbedingt eine Im­mu­ni­tät gegen Ma­sern haben, bevor sie schwanger werden, damit sie Antikörper an ihre un­ge­bo­re­nen Kinder weitergeben können; während der Schwangerschaft kann man Masern nicht impfen.

 

Zu früh durchgeführte Impfungen bilden für Kinder vermeidbare Risiken?

Bestimmte Infektionen treffen Säuglinge deutlich schwerer als ältere Kinder – darin liegt ein wesentlicher Grund, warum Babys bereits nach dem vollendeten zweiten Lebensmonat gegen verschiedene Erkrankungen geimpft werden.

Klassische Beispiele sind Infektionen mit dem Bakterium Haemophilus influenzae sowie Keuchhusten. Wenn Kinder bei einer Keuchhusten-Infektion jünger als sechs Monate sind, kommt es in rund 25 Prozent der Fälle zu Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Atemstillständen. Danach sinkt die Kom­pli­ka­ti­ons­rate auf etwa fünf Prozent. Daher profitiert ein Säugling von einer Keuch­husten­impfung in besonderem Masse. Bereits die erste Impfdosis im Alter von zwei Monaten kann die Wahr­schein­lich­keit einer Krankenhauseinweisung aufgrund einer Keuchhustenerkrankung um etwa zwei Drittel senken. Durch die Wiederholungsimpfungen im Laufe des ersten Lebensjahres wird der Keuchhustenschutz komplettiert.

Die Annahme, dass Säuglinge Impfungen generell schlechter vertragen würden als ältere Kinder, ist nicht belegt. Indes werden keineswegs alle Impfstoffe bereits im Säuglingsalter verabreicht. Eine Immunisierung gegen Masern, Mumps und Röteln sowie gegen besondere Erreger von Hirnhautentzündungen – sogenannte Meningokokken – erfolgen erst ab 9. Lebensmonat.

 

Durch die vielen Impfungen und Mehrfachimpfstoffe wird das Immunsystem des kleinen Kindes überlastet?

Fakt ist, dass die Kinder heutzutage gegen mehr Krankheiten geimpft werden als früher. Die Zahl der dabei übertragenen Antigene im Impfstoff hat sich aber dennoch deutlich verringert. So beinhaltete allein der alte Keuchhusten-Impfstoff, in dem das vollständige Bakterium enthalten war, rund 3.000 solcher Antigene; in allen heutigen Schutzimpfungen zusammengenommen finden sich dagegen nur 150. Der Grund dafür liegt darin, dass die modernen Impfstoffe hoch gereinigt sind und zumeist nur einzelne Bestandteile der Erreger enthalten. Tatsächlich setzt sich das kindliche Immunsystem, das für diese Aufgabe gut gerüstet ist, tagtäglich mit einer vielfach größeren Menge von Antigenen auseinander, als dies bei Impfungen der Fall ist.

Des Weiteren gibt es keine Hinweise darauf, dass Mehrfachimpfstoffe die Immunabwehr überlasten. Bis zu sechs Impfstoffe – gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus influenzae, Polio und Hepatitis B – lassen sich heute in einem einzigen Impfstoff kombinieren. Eine häufige Kritik an der Sechsfachimpfung ist, dass Hepatitis B vorwiegend – wenn auch keineswegs ausschließlich – durch Geschlechtsverkehr übertragen wird und die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei einem Säugling niedrig liegt. Allerdings verläuft die Hepatitis-B-Erkrankung bei Säuglingen fast immer sehr schwer und wird in 90% der Fälle chronisch.

 

Impfungen verursachen die Erkrankungen, gegen die sie schützen sollen.

Nur noch einzelne Impfstoffe enthalten abgeschwächte, noch lebende Erreger. Diese können tatsächlich krankheitsähnliche Symptome hervorrufen – eine voll ausgeprägte Erkrankung entwickelt sich aber praktisch nie. Die meisten Impfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder, wie etwa die Grippeimpfstoffe, nur deren Bestandteile. Eine Krankheit kann nur durch das vollständige Virus ausgelöst werden und nicht durch einzelne Bestandteile. Unabhängig von der Art des Impfstoffs treten in der Folge von Impfungen mitunter Impfreaktionen wie Fieber, Übelkeit oder Schläfrigkeit sowie Schwellungen und Rötungen an der Injektionsstelle auf. Dabei handelt es sich zum Teil um erwünschte Reaktionen des gesunden Immunsystems auf den verabreichten Impfstoff, die einen Indikator für eine zukünftig gute Immunität gegen die Erkrankung darstellen.

 

Impfungen sind überflüssig, da die Krankheiten zum Beispiel mit Antibiotika behandelt werden können.

Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten sind fraglos besser als früher. Jedoch gibt es bis heute keine Arzneimittel, die gegen Viren so wirksam wären wie Antibiotika gegen Bakterien. Gegenüber Viren sind Antibiotika unwirksam.

Einige bakterielle Erkrankungen sind auch äusserst schwer zu behandeln. So können unter anderem Tetanusinfektionen, bakterielle Hirnhautentzündungen und Keuchhusten selbst unter modernen Behandlungsbedingungen tödlich verlaufen.

Impfung und Therapie sind zudem keine gegensätzlichen Optionen, sondern Teil derselben Schutzkette. Mitunter verhindert die Impfung zwar nicht immer die Infektion, aber ihre schwersten Verläufe.

 

Der Rückgang von Erkrankungen ist eine Folge verbesserter Hygiene und Ernährung und hat nichts mit Impfungen zu tun.

Ausser Frage steht: Wohlstand und Hygiene tragen wesentlich zur Vermeidung von Infektionskrankheiten bei. Beispielsweise sind die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und die Etablierung einer guten Händehygiene unerlässlich für die Prävention von Hepatitis A, Typhus oder Cholera. Viele Infektionen sind bereits vor Einführung der Impfungen z.B. durch verbesserte hygienische Bedingungen oder eine bessere Ernährung zurückgegangen. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass verbesserte hygienische Bedingungen zu einer so deutlichen Senkung des Auftretens von Infektionen führen wie Impfungen. So werden manche Erreger wie die Masern-, Hepatitis-B-, Polioviren ausschließlich im menschlichen Organismus beherbergt und von Mensch zu Mensch weitergegeben, etwa durch sexuelle Kontakte oder durch Anhusten.

Es ist zwar richtig, dass beispielsweise Masernerkrankungen bei unterernährten Kindern oft besonders schwer verlaufen. Eine Erkrankung entwickelt aber fast jeder, der ungeschützt ist und das Masernvirus aufnimmt. Je mehr Menschen in der Umgebung vor Masern geschützt sind, desto stärker sinkt die Wahr­schein­lich­keit, mit dem Virus in Berührung zu kommen – weil Infektionsketten unter­brochen werden („Herdenschutz“). Wenn über 95% der Bevölkerung einen Immunschutz gegen die Masern haben, lassen sich die Masern gänzlich ausrotten.

 

Mit Impfungen will die Pharmaindustrie nur Geschäfte machen.

Privatwirtschaftliche Unternehmen in allen Branchen haben ein legitimes In­te­res­se, mit ihren Produkten Geld zu verdienen. Die Pharmaindustrie macht hier keine Ausnahme. Allerdings sollte man sich klar machen, dass es einen grossen fi­nan­zi­el­len Unterschied zwischen dem Geschäft mit Arzneimitteln und dem mit Impf­stoffen gibt. Weniger als 1% des Pharmaumsatzes erziehlt eine Firma mit Impfstoffen. Ein Grund dafür ist, dass Medikamente etwa von chronisch Kranken ein Leben lang eingenommen werden müssen, während Impfstoffe in der Regel nur wenige Male verabreicht werden.

Aus Sicht der Pharmaindustrie ist das Geschäft mit Impfstoffen auch deshalb weniger attraktiv, weil die Herstellung von Impfstoffen weitaus komplexer und teurer ist als die von Arzneimitteln. So gibt es weltweit immer weniger Impfstoffhersteller, wozu auch wirtschaftliche Erwägungen beigetragen haben dürften. Andererseits sollte auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass durch Impfungen kostenintensive Behandlungen sowie auch Leid von Patienten vermieden werden. Dies wurde in vielen gesundheitsökonomischen Evaluationen errechnet.

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