Winterliche Infektionen bei Kindern

„Mein Kind ist in der kalten Jahreszeit immer krank, es leidet unter Erkältungen, Fieber, Husten oder immer wieder unter Mittelohrentzündungen. Sicher hat es einen Immunmangel und braucht deshalb eine spezielle Therapie.“ Diesen Satz hören wir als Ärzte im Winter oft. Viele Eltern sind verunsichert, wenn ihre Kinder mehrmals pro Winter krank sind und glauben wirklich daran, dass ihre Kinder unter einem Immunmangel-Syndrom leiden. Diese Meinung ist zum Glück jedoch falsch, sondern sie wird geschürt durch die Publikumsmedikamentenwerbung und leider auch durch viele Gesundheitsbücher. Dahinter steckt sich oft nur ein Verkaufsargument für die vielen Immunstimulatoren, welche dem Kind das Immunsystem stärken sollen. Damit möchte ich nicht sagen, dass eine solche Therapie falsch ist, ich möchte nur darauf hinweisen, dass echte Immunmangelkrankheiten bei Kindern äusserst selten sind und sie als Eltern davor keine Angst zu haben brauchen. Kinder mit Immunmangelsyndromen sind oft schwerstens krank und einfache Infektionen heilen nicht so schnell aus. Diese Kinder müssen oft hospitalisiert werden, da diese Infektionen nur unter stationären Bedingungen geheilt werden können.

Warum können Kinder so oft krank sein?

Dazu muss gesagt werden, dass die meisten Infektionskrankheiten, oft auch grippale Infekte genannt, durch eine Vielzahl von Viren ausgelöst werden. Bis heute sind bsp. über 200 sogenannte Rhinoviren bekannt, welche die einfachen Erkältungskrankheiten auslösen. Daneben gibt es bald 100 bekannte sogenannte Adenoviren, welche eine Grippeartige Erkrankung auslösen, d.h. eine Erkrankung mit Fieber, Glieder-, Kopf-, Halsschmerzen und oft auch mit Husten. Zudem gibt es eine Vielzahl von anderen Viren, welche ähnliche Krankheitsbilder verursachen. Da die Übertragung von solchen Krankheiten via eine Tröpfcheninfektion einfach ist und die Ansteckungsgefahr rel. hoch ist, kann es vorkommen, dass ein Kind mehrfach in einem Jahr angesteckt wird. Dazu kommt, dass durch unsere Mobilität diese Krankheiten über grosse Strecken verschleppt werden können. Hat ein Mensch eine dieser Infektionen mal durchgemacht, ist er für den Rest des Lebens immun gegen diesen Virus, da es jedoch so viele gibt, wird er das ganze Leben damit konfrontiert werden. Leidtragende sind die Kinder, da sie einerseits in den Schulen und beim Spiel engen Kontakt untereinander haben und anderseits noch wenige dieser grippalen Infekte durchgemacht haben und somit leicht angesteckt werden können. Bei Säuglingen kommt dazu, dass sich ihr Immunsystem zuerst entwickeln muss und daher grippale Infekte häufiger vorkommen, insbesondere nach einigen Monaten Lebens, wenn der Schutz durch mütterliche Abwehrstoffe abgebaut ist. Anatomische Besonderheiten beim Kind, wie enge Nasengänge, oft vergrösserte Mandeln sowie kürzere Atemwege können dazu führen, dass bei grippalen Infekten häufiger Komplikationen dazukommen mit sogenannt bakterieller Besiedelung und den damit verbundenen Folgekrankheiten, wie Mittelohrentzündungen, Anginen oder eitrigen Bronchitiden. Die Austrocknung der Schleimhäute durch winterliches Heizen, (fehlende Luftbefeuchtung), kalte, nasse Füsse nach Spielen im Schnee, sowie das Unvermögen, den Nasenschleim durch richtiges Schneuzen los zu werden fördert ebenso das Auftreten von Infekten.
Grossangelegte Untersuchungen zeigen, dass 4-9 grippale Infekte v.a. bei kleinen Kinder und pro Wintersaison durchaus normal sind, und sie deshalb keine Angst zu haben brauchen, ihr Kind habe einen Immunmangel. Ebenso normal ist, dass auch Erwachsene pro Wintersaison 2-4 grippale Infekte durchmachen können. Kompliziertere Infekte, wie Mittelohrentzündungen, Anginen oder eitrige Bronchitiden können auch bei Immungesunden Kindern 3-5 x pro Saison auftreten. Aus ihrer Erfahrung als Eltern und aus unserer Erfahrung als Ärzte wissen wir, dass mit zunehmendem Alter der Kinder die Infekthäufigkeit abnimmt. So sehen wir in unserer Praxis Mittelohrentzündungen bei Schulkindern schon selten und bei Erwachsenen praktisch gar nicht mehr. Ganz verhindern können wir diese Infektionen nicht, vorbeugen können wir zum Teil durch ebensolche Immunstimulatoren auf natürlicher Basis oder durch die Grippeimpfung. Daneben hilft Befeuchten der geheizten Räume, tiefere Wohntemperaturen und richtige Kleidung, v.a. was das Schuhwerk anbetrifft, Infektionen einzudämmen. Gesunde, abwechslungsreiche Kost, regelmässigen Saunabesuch, genügend und regelmässigen Schlaf sowie sportliche Betätigung auch im Winter draussen, stimulieren das Abwehrsystem auf natürlichste Weise. Die Einnahme von hohen Dosen Vitamin C während der Wintersaison, konnte bis heute keinen positiven Effekt bezüglich Immunstimulation zeigen.
Die Mittelohrentzündung beim Kind

Die Mittelohrentzündung, oder Otitis media im Fachjargon, ist eine der häufigsten Kinderkrankheiten. Beinahe 17% aller Kinder machen in ihrem ersten Lebensjahr eine Mittelohrentzündung durch; bis im Alter von drei Jahren sind es über 70%. Als akute Mittelohrentzündung bezeichnen wir eine unvermittelt auftretende Entzündung des Mittelohrs, welche in über 65% der Fälle eine bakterielle Komplikation eines grippalen Infektes darstellt. Dies bedeutet, dass das Mittelohr vereitert durch eiterbildende Bakterien. Diese Erreger gelangen ins Mittelohr via den inneren Gehörgang, auch Tube genannt, welche im Bereich der hinteren Nase oberhalb des Rachens mündet. Davor befindet sich übrigens direkt die Rachenmandel. Besteht nun ein grippaler Infekt mit Pfnüsel und Schwellung der Mandeln, kann sich diese Tube auf Grund der engen Verhältnisse beim Kind durch die Schleimhautschwellung verschliessen; die beteiligten Bakterien sind eingeschlossen und können sich ungehindert vermehren. Dies zeigt, warum Mittelohrentzündungen meist nach einem einfachen Pfnüsel auftreten. Das Kind zeigt dann akut auftretende starke Ohrenschmerzen, allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber, v.a. bei kleinen Kindern, Reizbarkeit, Weinen, manchmal aber auch Durchfall oder Erbrechen. Sehr kleine Kinder Trinken oft schlecht, da der Saugvorgang die Ohrenschmerzen verstärken kann. Der Arzt kann durch eine Spiegelung des Ohres, mit dem sogenannten Otoskop, die Diagnose bestätigen. Für das Kind selber am schlimmsten sind die oft unerträglichen Ohrenschmerzen, was wir als Erwachsene oft unterschätzten, da wir dieses Krankheitsbild nicht mehr durchmachen und uns auch nicht mehr daran erinnern können. Erwachsene, die selber einmal eine Mittelohrentzündung durchmachen können dies bestätigen. Ohrenschmerzen gehören zu den schlimmsten Schmerzen, die ein Kind haben kann. Deshalb gehört zur Behandlung v.a. auch die Schmerzbehandlung. Hat ihr Kind nachts akute Ohrenschmerzen und weint, dürfen sie ohne Bedenken ein Fieberzäpfli, welches auch gegen Schmerzen wirkt, verabreichen, bis der Arzt die Diagnose gestellt hat. Vorallem wieder bei kleinen Kindern kann die Mittelohrentzündung zu weiteren schwerwiegenden Komplikationen führen wie Hirnhautentzündung, die sogenannte Mastoiditis, eine Entzündung des Schädelknochens; oder zu einer Sinusthrombose, ein Blutgerinnsel im Venengeflecht des Hirns. Auf Grund dieser möglichen schweren Krankheitsbilder wird die Mittelohrentzündung von uns Ärzten meist mit Antibiotika behandelt. Daneben wissen wir, dass die Antibiotikatherapie die Schmerzen des Kindes am schnellsten zum Verschwinden bringt. Ebenso können wir die Chronifizierung einer Mittelohrentzündung eindämmen, welche ihrerseits später zu Hörproblemen führen kann. Bei immerwiederkehrenden Mittelohrentzündungen raten wir zur Entfernung der Rachenmandeln oder und zur Einlage von Drainageröhrchen im Trommelfell, was die Frequenz dieser Entzündungen zu senken vermag. Dies sind jedoch individuelle Entscheidungen und müssen im einzelnen mit den Betroffenen besprochen werden. Vorallem bei älteren Kindern dürfte je nach Situation und Kontrollmöglichkeit eine Mittelohrentzündung auch ohne Antibiotika behandelt werden, da die erwähnten Komplikationen seltener auftreten. Da für das Kind bei diesen Infektionen vorallem Schmerzen im Vordergrund stehen, sollten wir dafür sorgen, dass das Kind schmerzfrei wird mit entsprechenden Massnahmen. Gleichzeitig müssen wir uns bewusst sein, dass eine Mittelohrentzündung ohne Antibiotika behandelt, ca. 14 Tg. bis drei Wochen zur Abheilung braucht, was bei Schulkindern bis drei Wochen Abwesenheit von der Schule bedeuten kann. Im Gegensatz dazu sind Kinder mit Antibiotika nach 1-3 Tg. beschwerdefrei. Als Eltern sind wir gegenüber unseren Kindern auch verantwortlich darüber, wie lange wir ihnen eine Krankheit zumuten, immer im Gedanken daran, wie wir selber reagieren würden, beim gleichen Krankheitsbild. Somit ist eine individuelle Beurteilung mit Einbezug der Schwere der Krankheit und der damit verbundenen Symptome Voraussetzung für die Wahl der Therapie.

Scharlachangina

Eine durch die Scharlachbakterien ausgelöste eitrige Entzündung der Mandeln, welche einhergeht mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, oft hohem Fieber und beeinträchtigtem Allgemeinzustand. Durch sogenannte Toxine, d.h. Baktereingifte, kann die eigentliche Scharlachkrankheit ausgelöst werden, welche sich präsentiert mit dem typischen Scharlachausschlag. Problematisch daran ist die Tatsache, dass dadurch ein sogenannte Rheumatisches Fieber ausgelöst werden kann mit Gelenksentzündungen, Entzündung der Herzklappen und der Nieren. Diese Komplikationen können bei Verkennen, zu Herzklappenverengungen führen, welche in höherem Alter dann zu möglichem Klappenersatz führt. Viele Herzklappenoperationen der älteren Generation, sind Folge von Scharlachentzündungen vor der Antibiotikaära. Aus diesem Grund empfehlen wir heute immer noch eine Penicillinbehandlung der Scharlachangina. Da Scharlach durch Bakterien ausgelöst wird, kann diese Krankheit übrigens mehrmals im Leben auftreten.

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